Anfang Juni 2025 war Steffen in Brüssel auf dem Biochar Summit: nicht als Zuschauer, sondern als Praxispartner von Cula Technologies, die aktuelle Forschungsergebnisse präsentierten. Daten aus unserer Anlage in Osterrade bildeten dabei einen Teil der Grundlage. Was wir aus Brüssel mitgenommen haben, ist mehr als ein Konferenzbericht. Es hat unsere Einschätzung für die nächsten Jahre an einigen Stellen konkret verändert.
Skalierung als zentrale Herausforderung der europäischen Biochar-Branche
Die europäische Pflanzenkohle-Produktion wächst, steht aber vor dem nächsten Entwicklungssprung. Zentralisierte Plattformen und optimierte Wertschöpfungsketten werden entscheidend sein. Für Betriebe wie uns stellt sich dabei eine sehr konkrete Frage: Wie positionieren wir uns in einer Branche, die gerade beginnt, sich zu konsolidieren? Eine fertige Antwort haben wir noch nicht. Aber wir halten es für wichtig, die Frage frühzeitig zu stellen.
Neue Anwendungsfelder jenseits der Landwirtschaft gewinnen an Bedeutung
Landwirtschaft allein kann die wachsenden Produktionsmengen an Pflanzenkohle nicht aufnehmen. Bau, Wasseraufbereitung und industrielle Anwendungen rücken stärker in den Fokus – Bereiche, über die wir auch in unseren Beiträgen zu BetoREC und Pflanzenkohle-Asphalt berichten. Das bestätigt für uns, was wir schon länger denken: Pflanzenkohle ist kein Einprodukt, sondern eine Plattform für verschiedene Anwendungsfelder.
Politischer Rahmen: CRCF und ETS-Reform als Weichenstellung
Das Carbon Removal Certification Framework (CRCF) und die ETS-Reform stehen vor der Umsetzung. Pflanzenkohle ist gut positioniert – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Die politischen Entscheidungen der nächsten zwei Jahre werden maßgeblich bestimmen, wie schnell sich die Branche entwickeln kann. Wir sind vorsichtig optimistisch. Aber es ist eine offene Frage, und das sagen wir lieber offen als schönzureden.
- Skalierung ist das Thema: Biochar in Europa wächst stark, steht aber vor der nächsten Skalierungsstufe. Zentralisierte Plattformen und optimierte Wertschöpfungsketten werden entscheidend sein. Für kleine Betriebe wie uns stellt sich die Frage: Wie positionieren wir uns in einer konsolidierteren Branche?
- Alternative Anwendungen werden wichtiger: Landwirtschaft allein kann die wachsenden Produktionsmengen nicht aufnehmen. Bau, Wasseraufbereitung und industrielle Anwendungen – Bereiche, die wir im Blog bereits beschrieben haben – werden relevanter.
- Politik macht den Unterschied: CRCF (Carbon Removal Certification Framework) und die ETS-Reform stehen vor der Tür. Ein technologieneutraler Ansatz, der alle Formen von Carbon Removal incentiviert, wäre der richtige Schritt. Pflanzenkohle ist gut positioniert – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.
BLOCK als Forschungsreferenz: Wenn Praxisdaten die Wissenschaft antreiben
Moritz Spranger von Cula Technologies präsentierte auf dem Summit, wie Maschinendaten aus unserer Anlage genutzt werden, um Pflanzenkohle-Eigenschaften in Echtzeit vorherzusagen: Kohlenstoffgehalt, Mineralfraktionen, Reflexionswerte. Ziel ist dynamisches Monitoring, Reporting und Verification, und damit chargenbasierte Credits für die gesamte Branche. Dass unsere Anlage dabei als Referenz dient, ist kein Selbstzweck. Es zeigt, was entsteht, wenn man von Anfang an auf Qualität und Transparenz setzt.